Die Stadt Gadebusch
im 17. und 18. Jahrhundert
Sie war eine für Mecklenburg recht typische Ackerbürgerstadt. Kleine bäuerliche Wirtschaften bestimmten das Stadtbild. Die Häuser an den meist unbefestigten Straßen hatten, wie manche auch heute noch, Durchfahrten, durch die man auf die dahinterliegenden mehr oder weniger geräumigen Hofstellen kam. Eine zweigeteilte Tür führte von der Straße in das Haus, eine sogenannte "Klöntür" bei der man über den geschlossenen unteren bei geöffnetem oberen Türflügel einen "Klönsnak" mit dem Nachbarn halten konnte.
Der städtische Kuhhirte sammelten am Morgen das Vieh ein. Wahrscheinlich blies er auf einem der Hörner, die man noch gelegentlich in Sammlungen von "Altertümern" finden kann. Die Kühe wurden dann auf die Straße gelassen und trotteten mit der Herde aus einem der Stadttore, dem Lübschen oder dem Wismarschen, hinaus, hin zur allgemeinen Weide. Schweine wurden in den Koben der Hintergebäude gehalten. Der anfallende Dung kam nach dem nicht allzu häufigen Ausmisten auf die Straße, um gelegentlich abtransportiert zu werden. Oftmals wälzten sich die Schweine auch draußen in der Gosse.
Es muß schon beschwerlich gewesen sein, diese Straßen zu passieren, besonders wenn es dunkelte. Mit einer Kienfackel wurde der Weg erleuchtet, nicht immer war sie an den dafür vorgesehenen Stellen angebracht. Was wollte man auch draußen, wenn es Nacht wurde? Vom Wirtshaus ging man, falls man sich einen Trunk dort überhaupt leisten konnte und wollte, rechtzeitig nach Hause oder man ließ sich heimleuchten.
Der Ackerbürger, der Stadtbauer, wird es sich kaum erlaubt haben, gelegentlich im Krug zu zechen. Das war eher etwas für die Honoratioren, den Bürgermeister, die Mitglieder des Magistrats, den Arzt oder Apotheker, wohlhabendere Kaufleute und Handwerker. Es gab sie schon, denn in Gadebusch waren Wollweber, Tuchmacher und Färber ansässig. Gerber bearbeiteten die Häute, aus denen Schuhmacher und Sattler Fertigprodukte herstellten, die auf den jährlichen Märkten oder im Umland verkauft wurden. Schmied und Rademacher fertigten oder reparierten Ackergeräte und Wagen. Auch der Tischler hatte sein Auskommen. Töpfer hat es damals in Gadebusch ebenfalls gegeben. Sie stellten die dreibeinigen Tongefäße her, in denen auf dem offenen Herd die Speisen zubereitet wurden, wenn man nicht anstelle des tönernen den aus Bronce gegossenen Grapen bevorzugte.